Additives Studium bezeichnet einen Bildungsweg, der dort ansetzt, wo die Ausbildung endet. Wer die staatliche Prüfung bestanden hat und die Berufsbezeichnung führen darf, erwirbt in einem solchen Studiengang einen Bachelorgrad. Die Berufszulassung ist vorhanden und wird durch das Studium weder ersetzt noch erweitert. Angeboten werden solche Studiengänge in Vollzeit, in Teilzeit, berufsbegleitend und als Fernstudium.
Aufbau und Anrechnung
Kern des Modells ist die Anrechnung. Die Hochschule erkennt Leistungen der Berufsausbildung als gleichwertig an und schreibt dafür ECTS-Punkte gut. Üblich sind zwei Verfahren: eine pauschale Anrechnung, die für alle Absolventinnen und Absolventen eines bestimmten Bildungsgangs gilt, und eine individuelle Anrechnung einzelner Leistungen auf Antrag. Der verbleibende Studienumfang bis zum Bachelor fällt dadurch geringer aus als bei einem grundständigen Studium. Wie viel angerechnet wird, regelt die Anrechnungs- und Prüfungsordnung der Hochschule; die Spannweite zwischen den Standorten ist erheblich.
Bedeutung für den Studieneinstieg
Angesprochen sind Menschen, die bereits im Beruf stehen. Die Studienorganisation ist darauf ausgerichtet: Blockwochen, Onlinephasen, Abend- und Wochenendtermine, dazu das Fernstudium als eigenständige Organisationsform. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt auf wissenschaftlichem Arbeiten, Forschungsmethoden, evidenzbasierter Praxis, Assessmentverfahren und Themen der Steuerung. Der Abschluss eröffnet den Zugang zu einem Masterstudium und zu Aufgaben in Lehre, Forschung, Qualitätsentwicklung und Leitung. Für den Zugang genügt in mehreren Ländern die abgeschlossene Berufsausbildung mit Berufspraxis, auch ohne schulische Hochschulreife; maßgeblich ist das Landesrecht und die Zugangsordnung der Hochschule.
Abgrenzung
Beim ausbildungsintegrierenden Studium laufen Ausbildung und Studium gleichzeitig, das additive Studium folgt der Ausbildung nach. Das primärqualifizierende Studium ersetzt die Ausbildung, während das additive Studium sie voraussetzt. Von einem Masterstudium unterscheidet es sich durch die Stufe: Der Master baut auf einem ersten Hochschulabschluss auf, das additive Studium führt zu ihm hin.
Vergleichspunkte vor der Anmeldung
- Umfang der pauschalen Anrechnung für die abgeschlossene Ausbildung in ECTS-Punkten
- verbleibender Studienumfang und Verteilung auf Semester
- Zahl und Lage der Präsenztermine sowie Anteil der Onlinephasen
- Zugangswege für beruflich Qualifizierte ohne schulische Hochschulreife
- Akkreditierung des Studiengangs und Bezeichnung des Abschlusses
Die Antworten stehen in der Studien-, Prüfungs- und Anrechnungsordnung sowie im Akkreditierungsbericht des Studiengangs. Sie sind der belastbare Vergleichsmaßstab zwischen zwei Angeboten, weil sich Umfang und Organisation zwischen den Hochschulen deutlich unterscheiden.