Bobath-Konzept

Auch: Bobath-Therapie, Neurodevelopmental Treatment

Das Bobath-Konzept ist ein Behandlungskonzept der Neurorehabilitation. Es arbeitet mit Lagerung, Führung und alltagsnahen Bewegungsabläufen und zielt darauf ab, Bewegungsmuster anzubahnen.

Das Bobath-Konzept wurde von der Physiotherapeutin Berta Bobath und dem Arzt Karel Bobath ab den 1940er Jahren in London entwickelt und seither mehrfach überarbeitet. Es ist kein festes Übungsprogramm, sondern ein Denk- und Handlungsrahmen für die Behandlung von Menschen mit Schädigungen des zentralen Nervensystems. Im Mittelpunkt stehen Haltung, Bewegungsübergänge und die Frage, wie eine Handlung mit den vorhandenen Möglichkeiten gelingen kann.

Grundgedanke und Vorgehen

  • Beobachtung von Haltung, Tonus und Bewegungsübergängen in Alltagshandlungen
  • Lagerung und Positionierung in Bett, Rollstuhl und am Arbeitsplatz
  • Führung der Bewegung durch die Hände der Fachkraft, so wenig wie nötig
  • alltagsnahe Aufgaben statt isolierter Übungen, etwa Ankleiden oder Essen
  • Einbezug von Pflege und Angehörigen, damit der Umgang über den Tag hinweg einheitlich bleibt

Charakteristisch ist der Anspruch, die Behandlung nicht auf die Therapiezeit zu begrenzen. Lagerung im Bett, Sitzposition beim Essen, Handhabung beim Transfer und die Gestaltung des Zimmers werden als Teil des Vorgehens verstanden. Das setzt Absprachen im Team voraus und erklärt, warum Bobath-Kurse häufig berufsgruppenübergreifend angeboten werden.

Einsatzfelder

Angewendet wird das Konzept vor allem nach einem Schlaganfall, nach einem Schädel-Hirn-Trauma, bei Multipler Sklerose und bei anderen Erkrankungen des zentralen Nervensystems, in der Erwachsenenbehandlung ebenso wie in der Pädiatrie. Verordnet wird ein Heilmittel wie die motorisch-funktionelle Behandlung oder die sensomotorisch-perzeptive Behandlung; das Konzept prägt die Umsetzung innerhalb dieser Behandlung. Ob das Verfahren im Einzelfall in Frage kommt, ergibt sich aus der ärztlichen Verordnung und der therapeutischen Befunderhebung.

Kurse und Qualifikation

Die Anwendung des Konzepts wird über anerkannte Grundkurse erworben, die berufsbegleitend nach dem Examen belegt werden und eigene Zugangs- und Prüfungsvorgaben haben. Für die Abrechnung bestimmter Leistungen können Kassen solche Zertifikate voraussetzen; maßgeblich sind die jeweils geltenden Verträge.

Bedeutung für die Ausbildung

Im Fach der neurophysiologischen Behandlungsverfahren nach der Anlage 1 zur ErgThAPrV gehört das Bobath-Konzept zum festen Bestand, neben dem Perfetti-Konzept und weiteren Ansätzen der neurologischen Ergotherapie. Die Ausbildung vermittelt die Grundgedanken und das Handling in Übungssituationen; die vertiefte Anwendung folgt in den Kursen.

Auszubildende begegnen dem Konzept außerdem im fachpraktischen Einsatz in neurologischen Kliniken, in der Frührehabilitation und in der Pädiatrie. Dort zeigt sich, dass die Arbeit weniger aus festen Übungen besteht als aus genauem Beobachten, aus der Wahl des richtigen Zeitpunkts und aus der Abstimmung mit Pflege, Physiotherapie und Angehörigen.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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