Motorisch-funktionelle Behandlung

Auch: Motorisch-funktionelle Therapie, MFB

Die motorisch-funktionelle Behandlung ist ein ergotherapeutisches Heilmittel des Heilmittelkatalogs. Sie arbeitet an Bewegung, Kraftdosierung und Koordination und zielt auf Handlungen des Alltags und des Berufs.

Die motorisch-funktionelle Behandlung ist eines der ergotherapeutischen Heilmittel, die nach der Heilmittel-Richtlinie verordnet werden können. Sie arbeitet an Beweglichkeit, Kraftdosierung, Ausdauer, Koordination und Geschicklichkeit, meist mit Bezug auf Arm und Hand. Bezugspunkt ist die Handlung: Griffe, Werkzeuge, Haushaltstätigkeiten und Arbeitsabläufe strukturieren die Übungsauswahl.

Einordnung im Heilmittelkatalog

Heilmittel sind Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 32 SGB V. Der Heilmittelkatalog ordnet die motorisch-funktionelle Behandlung Diagnosegruppen zu, unter anderem für Erkrankungen und Verletzungen des Stütz- und Bewegungsapparats. Die Verordnung legt Art, Menge und Frequenz fest. Ob die Maßnahme im Einzelfall angezeigt ist, entscheidet die ärztliche Verordnung gemeinsam mit der therapeutischen Einschätzung.

Wie lange eine Einheit dauert und ob als Einzel- oder als Gruppenbehandlung gearbeitet wird, ergibt sich aus der Heilmittel-Richtlinie und aus den Verträgen zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern. Für Praxen ist zusätzlich die Zulassung nach § 124 SGB V Voraussetzung, um zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung abrechnen zu können.

Inhalte der Behandlung

  • Befunderhebung zu Beweglichkeit, Kraft, Sensibilität und Handlungsfähigkeit
  • Übungen zu Greifformen, Kraftdosierung, Feinmotorik und Koordination
  • handwerkliche und gestalterische Techniken als abgestufte Anforderung
  • Anleitung zum Gelenkschutz und zu Eigenübungen für die Zeit zwischen den Terminen
  • Erprobung von Hilfsmitteln und Anpassung von Arbeitsplatz oder Haushalt

Die Auswahl richtet sich nach dem Befund und nach den Handlungen, die im Alltag oder im Beruf gebraucht werden. Anforderungen lassen sich über Gewicht, Widerstand, Dauer, Griffgröße und Genauigkeit abstufen. Gearbeitet wird mit Werkzeug, Werkstoff und Alltagsgegenständen, weil sich Kraft, Ausdauer und Feinabstimmung an einer sinnvollen Aufgabe anders zeigen als an einer reinen Übung.

Einsatzfelder und Abgrenzung

Eingesetzt wird die Behandlung unter anderem nach Frakturen, nach Sehnen- und Nervenverletzungen, bei rheumatischen Erkrankungen und nach Operationen an Hand oder Arm; ein häufiges Arbeitsfeld ist die Handtherapie. Von der motorisch-funktionellen Behandlung zu unterscheiden ist die sensomotorisch-perzeptive Behandlung, die bei der Verarbeitung von Sinnesreizen ansetzt, sowie die Physiotherapie, die als eigenes Heilmittel mit eigener Berufsausbildung geregelt ist.

Bedeutung für die Ausbildung

Die Anlage 1 zur ErgThAPrV führt motorisch-funktionelle Behandlungsverfahren als eigenes Unterrichtsfach; dazu kommen Anatomie, Physiologie, Biomechanik und handwerkliche Techniken. In der praktischen Ausbildung ist ein Einsatz im motorisch-funktionellen und neurophysiologischen Bereich vorgesehen. Auszubildende lernen dort, Befund, Zielformulierung und Verlauf so zu dokumentieren, dass die Behandlung nachvollziehbar bleibt.

Weil die motorisch-funktionelle Behandlung zu den am häufigsten verordneten ergotherapeutischen Maßnahmen gehört, begegnet sie Auszubildenden in nahezu jedem Einsatz in einer Praxis. Wer Befundwerte sauber erhebt, Ziele in Handlungen beschreibt und die Verordnungsdaten im Blick behält, hat einen großen Teil der praktischen Anforderungen dieses Arbeitsfelds erfasst.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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