Das Canadian Occupational Performance Measure, abgekürzt COPM, ist eines der bekanntesten ergotherapeutischen Erhebungsinstrumente. Es rückt die Sicht der behandelten Person in den Mittelpunkt: Nicht ein Test bestimmt, woran gearbeitet wird, sondern das Gespräch über den eigenen Alltag. Das Instrument wurde in Kanada entwickelt und liegt in deutscher Übersetzung vor. Anwendbar ist es über alle Fachbereiche hinweg, von der Pädiatrie bis zur Geriatrie, solange ein Gespräch über den eigenen Alltag möglich ist.
Aufbau und Ablauf
Das COPM ist ein halbstrukturiertes Interview. Es fragt Betätigungsanliegen in drei Bereichen ab: Selbstversorgung, Produktivität und Freizeit. Aus den genannten Anliegen wählt die befragte Person die für sie wichtigsten aus. Für jedes dieser Anliegen schätzt sie auf einer Skala von 1 bis 10 ein, wie gut sie die Betätigung derzeit ausführen kann und wie zufrieden sie damit ist. Die Werte werden zusammengefasst. Wiederholt man die Erhebung nach einer Behandlungsphase, lässt sich die Veränderung dieser Selbsteinschätzung als Zahl abbilden. Das Instrument ist urheberrechtlich geschützt; die Anwendung setzt das Handbuch und eine Einarbeitung voraus.
Fachliche Einordnung
Das COPM steht auf dem Boden des kanadischen Betätigungsmodells und damit der Klientenzentrierung. Gegenstand ist die Betätigung, nicht die einzelne Körperfunktion. Damit passt es zur Perspektive der ICF, die Aktivität und Teilhabe neben Körperfunktionen stellt. Es ist ein Selbstbeurteilungsinstrument: Erhoben wird die Einschätzung der befragten Person, keine von außen gemessene Leistung. Dieser Zuschnitt erklärt zugleich seine Grenzen: Das COPM bildet ab, wie eine Person ihre Situation sieht, und ersetzt weder die Beobachtung einer Handlung noch standardisierte Tests zu einzelnen Funktionen.
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
In der Ausbildung und im Studium gehört das COPM zu den ersten Instrumenten, die im Zusammenhang mit Assessments und Zielformulierung besprochen und im Rollenspiel eingeübt werden. Im Berufsalltag dient es dazu, gemeinsam Ziele zu bestimmen und die Behandlung daran auszurichten. Die Ergebnisse fließen in die Befunderhebung und in die Dokumentation ein und liefern Formulierungen für den Therapiebericht. Grenzen hat das Verfahren dort, wo ein Gespräch dieser Art nicht möglich ist, etwa bei ausgeprägten kognitiven oder sprachlichen Einschränkungen; dann kommen Fremdauskünfte oder andere Verfahren in Betracht. In der Pädiatrie wird häufig mit Bezugspersonen gearbeitet, in der Neurologie mit angepasster Gesprächsführung. Die Durchführung braucht Zeit, was in der Terminplanung berücksichtigt wird; dafür liefert sie Ziele, die aus der Sprache der behandelten Person stammen und nicht aus einem Katalog.