Forced Use

Auch: Erzwungener Gebrauch, Forced-Use-Ansatz

Forced Use ist ein Vorgehen der neurologischen Rehabilitation, bei dem der Gebrauch der weniger betroffenen Extremität zeitweise eingeschränkt wird, damit die betroffene Seite in Alltagshandlungen einbezogen wird.

Forced Use ist ein Vorgehen der neurologischen Rehabilitation. Der Gebrauch der weniger betroffenen Hand oder des weniger betroffenen Arms wird zeitweise eingeschränkt, etwa durch einen Handschuh, eine Schlinge oder eine Lagerungsschiene. Alltagsaufgaben werden dadurch mit der betroffenen Seite ausgeführt. Das Vorgehen bildet den historischen Kern der Constraint-Induced Movement Therapy.

Fachliche Herleitung

Den Hintergrund bildet die Beobachtung des erlernten Nichtgebrauchs: Nach einer Hirnschädigung setzen Betroffene die betroffene Extremität im Alltag seltener ein, weil Handlungen mit der weniger betroffenen Seite schneller gelingen. Forced Use zielt darauf ab, diesen Kreislauf zu unterbrechen und die betroffene Seite wieder in Handlungen einzubinden. Eine eigene Position im Heilmittelkatalog hat das Vorgehen nicht. In der vertragsärztlichen Versorgung wird es innerhalb der motorisch-funktionellen Behandlung erbracht, die nach § 32 SGB V und der Heilmittel-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses verordnet wird.

Voraussetzungen und Grenzen

  • Aktive Restbeweglichkeit der betroffenen Extremität, die für Alltagsaufgaben ausreicht
  • Ausreichende Belastbarkeit, Aufmerksamkeit und Absprachefähigkeit
  • Abgestimmter Umgang mit Sturz- und Verletzungsrisiken während der Tragezeit
  • Festgelegte und dokumentierte Tragezeiten sowie eine geplante Auswahl der Aufgaben

Ob Forced Use im Einzelfall angezeigt ist, entscheidet die ärztliche Verordnung gemeinsam mit der therapeutischen Einschätzung. Bei ausgeprägten Sensibilitätsstörungen, bei Schmerzen oder bei erhöhter Sturzgefahr wird das Vorgehen abgewogen und gegebenenfalls angepasst oder nicht eingesetzt.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Neurologie gehört nach der ErgThAPrV zu den Pflichtinhalten des Unterrichts und zu den Fachbereichen der praktischen Ausbildung. Auszubildende begegnen Forced Use meist im fachpraktischen Einsatz in einer neurologischen Klinik oder Rehabilitationseinrichtung. Dort geht es um die Auswahl alltagsnaher Aufgaben, um die Dosierung der Tragezeit und um die Beobachtung, ob die betroffene Seite die Aufgabe tatsächlich übernimmt. In der neurologischen Ergotherapie steht das Vorgehen selten für sich allein, sondern wird mit Aufgabentraining, Angehörigenberatung und Anpassungen im häuslichen Umfeld verbunden.

Abgrenzung

Forced Use beschreibt allein die Einschränkung der weniger betroffenen Seite. Die Constraint-Induced Movement Therapy umfasst zusätzlich ein strukturiertes Übungsprogramm mit gestuften Aufgaben und ein Transferpaket für den Alltag. Von der Spiegeltherapie unterscheidet sich Forced Use deutlich: Dort wird der Gebrauch nicht eingeschränkt, sondern eine optische Täuschung im Spiegel genutzt.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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