Soziales Kompetenztraining ist ein strukturiertes Übungsverfahren, das alltägliche soziale Situationen zum Gegenstand der Behandlung macht: Kontakt aufnehmen, ein Anliegen äußern, Kritik annehmen, Grenzen setzen, in einer Gruppe zusammenarbeiten. Eingesetzt wird es überwiegend in der psychiatrischen Ergotherapie, meist als Gruppenangebot mit festem Ablauf.
Herkunft und Aufbau
Das Verfahren stammt aus der verhaltenstherapeutischen Gruppenarbeit und wurde für verschiedene Einrichtungen angepasst. Typisch ist ein wiederkehrender Ablauf: Eine Situation wird besprochen, im Rollenspiel erprobt, anschließend im Gruppengespräch oder anhand einer Videoaufnahme rückgemeldet und über eine Übungsaufgabe im Alltag fortgesetzt. Die Themen kommen von den Teilnehmenden selbst, etwa ein Telefonat mit einer Behörde, ein Bewerbungsgespräch oder ein Konflikt in der Wohngruppe. Als Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung wird das Training im Rahmen der psychisch-funktionellen Behandlung erbracht, die nach § 32 SGB V und der Heilmittel-Richtlinie verordnet wird und auch als Gruppenbehandlung vorgesehen sein kann.
Einsatzfelder und Grenzen
Genannt werden unter anderem psychiatrische Kliniken und Tageskliniken, die Suchtrehabilitation, Werkstätten für behinderte Menschen und Angebote der Eingliederungshilfe. Das Training zielt darauf ab, Handlungsmöglichkeiten in sozialen Situationen zu erweitern und den Übergang in den Alltag vorzubereiten. Ob es im Einzelfall angezeigt ist, entscheidet die ärztliche Verordnung gemeinsam mit der therapeutischen Einschätzung. In akuten Krisen, bei ausgeprägter Angst vor Gruppensituationen oder bei starker kognitiver Beeinträchtigung wird die Gruppenform abgewogen und gegebenenfalls durch Einzelarbeit ersetzt.
Typische Themen einer Einheit
- Kontakt aufnehmen und ein Gespräch beenden
- Ein Anliegen gegenüber einer Behörde oder einer Einrichtung vorbringen
- Kritik äußern und Kritik entgegennehmen
- Eine Bitte ablehnen, ohne den Kontakt abzubrechen
- Aufgaben in einer Gruppe verteilen und Absprachen einhalten
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Die ErgThAPrV sieht den Fachbereich Psychiatrie sowohl im Unterricht als auch in der praktischen Ausbildung vor. Soziales Kompetenztraining ist einer der Bereiche, in denen Auszubildende früh eigene Anteile übernehmen: eine Übung anleiten, Rückmeldungen moderieren, den Verlauf protokollieren. Gefragt sind Gruppenleitung, ein ruhiger Umgang mit Widerstand und die Fähigkeit, Beobachtungen ohne Bewertung zu beschreiben. Die Auswahl der Themen folgt der Klientenzentrierung; die Ergebnisse fließen in den Therapiebericht an die verordnende Praxis ein. Im Berufsalltag laufen solche Gruppen häufig als feste Wochenstruktur einer Station oder Tagesklinik.