Ein Eignungstest ist das Auswahlverfahren, mit dem eine Schule für Ergotherapie über die Aufnahme von Bewerberinnen und Bewerbern entscheidet. Er ergänzt die formalen Zugangsbedingungen um eine eigene Einschätzung. Weil jede Schule das Verfahren selbst gestaltet, unterscheiden sich Aufbau, Dauer und Gewichtung erheblich.
Einordnung
Weder das Ergotherapeutengesetz noch die ErgThAPrV kennen einen Eignungstest. § 4 Absatz 2 ErgThG nennt allein die schulischen Zugangswege: abgeschlossene Realschulbildung, eine andere gleichwertige Ausbildung oder eine nach dem Hauptschulabschluss abgeschlossene Berufsausbildung von mindestens zweijähriger Dauer. Alles Weitere liegt beim Träger der Schule, im Rahmen des jeweiligen Landesrechts. Ein Test ersetzt die gesetzlichen Aufnahmevoraussetzungen nicht, sondern kommt zu ihnen hinzu.
Typische Bestandteile
- Motivationsschreiben und ein persönliches Gespräch zu Berufsvorstellung und Vorerfahrung
- Schriftliche Aufgabe zu Textverständnis, sprachlichem Ausdruck und einfachen Rechenwegen
- Handwerklich-gestalterische Aufgabe, etwa mit Holz, Ton, Papier oder Textil
- Gruppenaufgabe zur Beobachtung von Zusammenarbeit und Kommunikation
- Hospitationstag in der Schulwerkstatt oder in einer kooperierenden Einrichtung
Nicht jede Schule prüft alle Bausteine. Manche Träger führen allein ein strukturiertes Gespräch, andere setzen einen ganzen Testtag an. Üblich ist, dass die Ergebnisse zusammen mit dem Schulabschluss, dem Motivationsschreiben und nachgewiesenen Praxiskontakten in eine Gesamtbetrachtung eingehen. Eine Absage bezieht sich damit auf das Verfahren eines Trägers und schließt eine Bewerbung an einer anderen Schule oder zu einem späteren Termin nicht aus.
Der gestalterische Teil hat einen fachlichen Hintergrund: Anlage 1 ErgThAPrV weist in der geltenden Fassung 500 Stunden auf handwerkliche und gestalterische Techniken sowie 200 Stunden auf Spiele, Hilfsmittel, Schienen und technische Medien aus, Stand September 2026. Wer im Verfahren an einer Werkbank steht, arbeitet also mit Material, das später zum Unterricht gehört.
Bedeutung für die Bewerbung
Eine Vorbereitung besteht vor allem aus Praxiskontakt: Hospitationen in Praxen, Kliniken oder Werkstätten geben Anschauung für das Gespräch. Auch die Auseinandersetzung mit den Arbeitsfeldern der praktischen Ausbildung ordnet die eigene Motivation. Welche Schule welches Verfahren nutzt, geht aus den Angaben der jeweiligen Einrichtung hervor; einen zentralen Vergabeprozess wie beim Numerus Clausus im Hochschulbereich gibt es für die Ausbildung nicht. Termine, Aufgabenformate und Kosten des Verfahrens nennt die Schule in ihrer Ausschreibung.