Geriatrische Ergotherapie ist das Arbeitsfeld der Ergotherapie mit älteren Menschen, bei denen häufig mehrere Erkrankungen gleichzeitig bestehen. Bezugspunkte sind die Selbstversorgung, die Bewegung in der eigenen Wohnung, die Sicherheit im häuslichen Umfeld und die Teilhabe am sozialen Leben. Behandelt werden unter anderem Menschen nach Schlaganfall oder Sturz mit Fraktur sowie Menschen mit Demenz oder Parkinson-Erkrankung.
Die Behandlung setzt an konkreten Alltagsfragen an: das Aufstehen aus dem Sessel, das Zubereiten einer Mahlzeit, der Weg zur Toilette in der Nacht, das Telefonieren, der Einkauf im Viertel. Aus solchen Situationen werden die Ziele abgeleitet und mit der Person sowie, wo möglich, mit Angehörigen abgestimmt.
Einsatzorte und rechtliche Einordnung
Typische Arbeitsorte sind geriatrische Kliniken und Abteilungen, geriatrische Tageskliniken, Einrichtungen der geriatrischen Rehabilitation, Pflegeeinrichtungen und Tagespflege sowie ambulante Praxen, die Hausbesuche anbieten. Stationäre und ambulante Rehabilitation sind in § 40 SGB V geregelt; in Pflegeeinrichtungen berühren die Leistungen zugleich das SGB XI, etwa die soziale Betreuung nach § 43 SGB XI. Ambulante Behandlungen laufen über die ärztliche Heilmittelverordnung, wobei der Hausbesuch dort gesondert anzugeben ist.
Typische Inhalte
- Training von Alltagsverrichtungen wie Waschen, Anziehen, Essen und Haushalt
- Erprobung und Anpassung von Hilfsmitteln sowie Anleitung im Umgang damit
- Beratung zur Wohnraumanpassung, etwa zu Haltegriffen, Sitzhöhen und Beleuchtung
- Angebote rund um Sturzrisiken und sicheres Bewegen im Alltag
- kognitiv ausgerichtete Angebote und Tagesstrukturierung bei Demenz
- Anleitung von Angehörigen und Pflegekräften
Bedeutung für Ausbildung und Praxis
Geriatrische Einrichtungen sind ein häufiger Ort für fachpraktische Einsätze, weil dort motorische, kognitive und psychische Fragestellungen zusammentreffen. Fachlich verlangt das Feld Kenntnisse zu Mehrfacherkrankungen, zu Seh- und Höreinschränkungen, zu Wirkungen von Medikamenten und zum Umgang mit Menschen mit Demenz. Ziel der Behandlung ist es, Selbstständigkeit im Alltag zu unterstützen und die Umgebung an die Möglichkeiten der Person anzupassen. Im Berufsalltag prägen kurze Behandlungszeiten, die Zusammenarbeit mit Pflege, Physiotherapie und Sozialdienst sowie Gespräche mit Angehörigen den Tag. Ein großer Teil der Arbeit besteht aus Training an Alltagsverrichtungen in der gewohnten Umgebung. Ein weiterer Teil ist Beratung: Angehörige und Pflegekräfte werden angeleitet, damit Handgriffe im Alltag gleich bleiben. Bei fortschreitenden Erkrankungen verschiebt sich das Ziel von der Erweiterung des Handlungsspielraums hin zur Erhaltung gewohnter Abläufe und zur Anpassung der Umgebung.