Assessment (Ergotherapie)

Auch: Erhebungsinstrument, Messinstrument

Ein Assessment ist ein strukturiertes Verfahren, mit dem ergotherapeutisch relevante Merkmale erhoben werden, etwa Betätigungsanliegen, Handfunktionen oder kognitive Leistungen. Die Ergebnisse dienen Zielsetzung, Verlaufsmessung und Dokumentation.

Assessment bezeichnet in der Ergotherapie ein strukturiertes Verfahren zur Erhebung von Merkmalen, die für die Behandlung von Bedeutung sind. Das reicht vom Interview über die systematische Beobachtung einer Alltagshandlung bis zum normierten Test. Der englische Begriff hat sich durchgesetzt, weil die meisten Instrumente aus dem englischsprachigen Raum stammen und dort entwickelt wurden. In der deutschsprachigen Fachsprache steht Assessment sowohl für das einzelne Instrument als auch für den Vorgang des Erhebens.

Einordnung und Gütekriterien

Assessments sind Werkzeuge der Erkenntnisgewinnung, keine Behandlungsverfahren. Standardisierte Instrumente geben Durchführung, Auswertung und Interpretation vor und werden an den klassischen Gütekriterien gemessen: Objektivität, Reliabilität und Validität. Normierte Verfahren stellen das Ergebnis zusätzlich einer Vergleichsgruppe gegenüber. Nicht standardisierte Verfahren wie freie Beobachtung oder eigene Beobachtungsbögen sind im Alltag verbreitet; ihre Ergebnisse sind an die Situation und an die beobachtende Person gebunden. Eine gesetzliche Vorgabe, welches Instrument zu verwenden ist, besteht nicht; Anforderungen an eine nachvollziehbare Befunderhebung ergeben sich aus der Dokumentation und aus den Verträgen nach § 125 SGB V.

Arten von Assessments

  • Selbstbeurteilung im Gespräch, etwa das COPM
  • systematische Beobachtung einer Betätigung im natürlichen Umfeld
  • standardisierte Tests zu Handfunktion, Motorik oder Wahrnehmung
  • Screening-Verfahren zu kognitiven Leistungen
  • Fremdbeurteilung durch Angehörige, Lehrkräfte oder Pflegende

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

Im Unterricht werden Aufbau, Anwendung und Grenzen einzelner Instrumente behandelt und in Übungen erprobt. In der praktischen Ausbildung gehört die Auswahl eines passenden Verfahrens zu den Aufgaben, die mit der Praxisanleitung besprochen werden: Fragestellung, Alter, Sprachverständnis und Situation der behandelten Person grenzen die in Betracht kommenden Instrumente ein. Die Begründung dieser Auswahl ist Teil des Clinical Reasoning und wird in Fallvorstellungen erwartet. Im Berufsalltag liefern Assessments den Ausgangswert für die Zielformulierung, die Grundlage der Verlaufsdokumentation und die Zahlen, mit denen der Therapiebericht arbeitet. Bei der Wiederholung einer Erhebung kommt es darauf an, dass Bedingungen, Zeitpunkt und Durchführung vergleichbar bleiben, weil sonst die Ausgangs- und die Folgeerhebung nicht zueinander passen. Viele Instrumente sind an Schulungen, Lizenzen oder Handbücher gebunden; welche Verfahren in einer Einrichtung verwendet werden, ist deshalb häufig im Qualitätsmanagement festgelegt.

Abgrenzung

Assessment und Befunderhebung sind nicht dasselbe: Die Befunderhebung ist der gesamte Prozess am Beginn der Behandlung, das Assessment ein einzelnes Instrument darin. Von der ärztlichen Diagnose ist beides getrennt; sie bleibt der ärztlichen Praxis vorbehalten. Ein Testergebnis beschreibt einen Ausschnitt zu einem Zeitpunkt und ersetzt weder das Gespräch noch die Beobachtung im Alltag.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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