Graded Motor Imagery

Auch: GMI, Gestufte Bewegungsvorstellung

Graded Motor Imagery ist ein gestuftes Vorgehen aus der Schmerzrehabilitation. Es besteht aus dem Erkennen von Links und Rechts, der reinen Bewegungsvorstellung und der Spiegeltherapie.

Graded Motor Imagery, kurz GMI, ist ein gestuftes Vorgehen aus der Schmerzrehabilitation. Es besteht aus drei aufeinander aufbauenden Stufen: dem Erkennen von Links und Rechts an Abbildungen von Körperteilen, der reinen Bewegungsvorstellung und der Spiegeltherapie. Gearbeitet wird in kurzen, häufigen Einheiten, die zwischen den Terminen selbstständig fortgesetzt werden.

Die drei Stufen

StufeInhalt
LateralitätserkennungAbbildungen von Händen oder Füßen werden als links oder rechts zugeordnet
BewegungsvorstellungBewegungen werden vorgestellt, ohne sie auszuführen
SpiegeltherapieDie weniger betroffene Seite wird im Spiegel betrachtet, während die betroffene Seite verdeckt bleibt

Der Aufbau ist an die Annahme angelehnt, dass die Repräsentation einer Körperregion im Gehirn bei anhaltenden Schmerzen verändert ist. Die Stufenfolge zielt darauf ab, Bewegung schrittweise anzubahnen, ohne Schmerz auszulösen. Der Wechsel zur nächsten Stufe richtet sich nach der Reaktion der behandelten Person und nicht nach einem festen Zeitplan. Bleibt eine Stufe unbeständig, wird sie wiederholt, bevor die nächste beginnt.

Einsatzfelder und Einordnung

Beschrieben wird GMI vor allem für anhaltende Schmerzsyndrome, unter anderem für das komplexe regionale Schmerzsyndrom und für Phantomschmerz nach Amputation. In der Ergotherapie ist es der Handtherapie und der Handrehabilitation zugeordnet. Eine eigene Position im Heilmittelkatalog gibt es nicht; die Inhalte werden im Rahmen der motorisch-funktionellen oder der sensomotorisch-perzeptiven Behandlung nach § 32 SGB V und der Heilmittel-Richtlinie erbracht. Ob das Vorgehen im Einzelfall angezeigt ist, entscheidet die ärztliche Verordnung gemeinsam mit der therapeutischen Einschätzung.

Bedeutung für Ausbildung und Praxis

In der Ausbildung nach der ErgThAPrV berührt GMI die Fächer Neurologie, Orthopädie und Behandlungsverfahren; vertieft wird es überwiegend in Fortbildungen. Im fachpraktischen Einsatz in einer handtherapeutischen oder schmerzmedizinischen Einrichtung geht es vor allem um Dosierung: Umfang und Tempo werden klein gehalten, die Reaktion wird nach jeder Einheit erfasst. Weil ein großer Teil der Übungen außerhalb der Termine stattfindet, gehören eine verständliche Anleitung, schriftliches Material und eine sorgfältige Verlaufsdokumentation zum Vorgehen. Die dritte Stufe entspricht der Spiegeltherapie, die in vielen Praxen auch eigenständig eingesetzt wird. Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger ist vor allem die Zusammenarbeit mit Schmerzmedizin, Psychologie und Physiotherapie ungewohnt, weil das Vorgehen selten allein für sich steht.

Verwandte Begriffe

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der Angaben: September 2026

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