Gelenkschutz fasst Prinzipien zusammen, nach denen Alltagshandlungen so ausgeführt werden können, dass Belastungsspitzen auf einzelne Gelenke geringer ausfallen. Die Prinzipien stammen aus der Rheumatologie und werden in der Ergotherapie beraten, an konkreten Handlungen eingeübt und mit Hilfsmitteln und Anpassungen des Umfelds verbunden. Sie zielen darauf ab, Handlungen des Alltags mit veränderter Technik durchführbar zu halten.
Prinzipien
- Kraft auf mehrere und auf große Gelenke verteilen statt auf einzelne kleine
- langes Halten in einer Stellung meiden, Belastung und Pause abwechseln
- Bewegungsrichtungen meiden, die eine bestehende Fehlstellung betonen
- Griffe verdicken, Hebel verlängern, Werkzeuge und Küchenhelfer anpassen
- Arbeitsabläufe planen, Wege bündeln, Lasten aufteilen
- Arbeitsplatz, Küche und Bad so einrichten, dass häufig Genutztes gut erreichbar ist
Die Prinzipien sind kein Programm, das übernommen wird, sondern Ansatzpunkte für einzelne Handlungen. Erst an der konkreten Tätigkeit zeigt sich, welche Änderung praktikabel ist und welche im Alltag keinen Bestand hat. Deshalb steht die gemeinsame Erprobung im Vordergrund und nicht die Weitergabe einer Regelliste.
Vorgehen in der Beratung
Am Anfang steht die Beobachtung der Handlung, etwa beim Öffnen einer Flasche, beim Tragen oder beim Ankleiden. Daraus werden gemeinsam Alternativen erarbeitet und im Alltag erprobt. Häufig ergänzt die Hilfsmittelversorgung die veränderte Technik; auch Schienen können Teil der Versorgung sein, siehe Schienenbau. Der Transfer wird über mehrere Einheiten begleitet und im Verlauf ausgewertet.
Einordnung und Einsatzfelder
Gelenkschutz ist keine eigene Position im Heilmittelkatalog, sondern Bestandteil verordneter Behandlungen, insbesondere der motorisch-funktionellen Behandlung. Beraten wird unter anderem bei rheumatoider Arthritis, bei Arthrose der Fingergelenke, nach Handverletzungen und in der geriatrischen Ergotherapie. Die Auswahl im Einzelfall richtet sich nach der ärztlichen Verordnung und dem therapeutischen Befund.
Bedeutung für die Ausbildung
Der Unterricht verankert den Gelenkschutz in den motorisch-funktionellen Behandlungsverfahren, in den adaptierenden Verfahren und in der speziellen Krankheitslehre zu rheumatischen Erkrankungen. In der praktischen Ausbildung ist die Gelenkschutzberatung eine der Aufgaben, die Auszubildende früh übernehmen, weil sie Beobachtung, Beratung und Alltagsbezug in einer überschaubaren Situation zusammenführt.
Geübt wird dabei auch die Sprache der Beratung: Vorschläge werden begründet, Alternativen angeboten und die Entscheidung bleibt bei der behandelten Person. Schriftliche Hinweise und Materialproben ergänzen das Gespräch, ersetzen es aber nicht. Für die Prüfung ist die Verbindung von Krankheitslehre, Handlungsanalyse und Beratung der entscheidende Punkt.