Die sensorische Integrationstherapie geht auf die US-amerikanische Ergotherapeutin und Psychologin A. Jean Ayres zurück, die das Konzept ab den 1960er Jahren entwickelte. Es beschreibt, wie das Nervensystem Reize aus Berührung, Bewegung, Lage im Raum und Gleichgewicht ordnet und für Handlungen nutzbar macht. Die Behandlung zielt darauf ab, solche Erfahrungen in dosierter Form und im Spiel anzubieten.
Vorgehen in der Behandlung
- Befunderhebung mit Beobachtung im Spiel und mit standardisierten Verfahren
- Angebote über Schaukel, Hängematte, Rollbrett, Bälle und taktile Materialien
- Anforderungen, die auf das Kind zugeschnitten sind und leicht über dem bereits Sicheren liegen
- eine Situation, die das Kind mitgestaltet, statt einer festen Übungsfolge
- Beratung von Eltern sowie Absprachen mit Kita, Schule und weiteren Beteiligten
Der Raum ist Teil des Vorgehens: Geräte, Materialien und Aufbauten werden so gewählt, dass das Kind eigene Handlungsideen entwickeln kann. Die Fachkraft beobachtet, sichert ab und verändert die Anforderung, sobald eine Aufgabe zu leicht oder zu schwer wird. Beobachtungen und Veränderungen werden dokumentiert, damit der Verlauf für Eltern und die verordnende Praxis nachvollziehbar bleibt.
Einordnung und Rechtsrahmen
Die sensorische Integrationstherapie ist ein Behandlungskonzept, keine eigene Position im Heilmittelkatalog. Verordnet wird ein Heilmittel, in der Regel die sensomotorisch-perzeptive Behandlung nach der Heilmittel-Richtlinie. Was im Einzelfall angezeigt ist, klären ärztliche Verordnung und therapeutische Einschätzung miteinander. Das Konzept ist Gegenstand fachlicher Forschung und Diskussion.
Einsatzfelder
Eingesetzt wird das Konzept vor allem in der pädiatrischen Ergotherapie, unter anderem bei Kindern mit Auffälligkeiten der Wahrnehmungsverarbeitung, mit Entwicklungsverzögerungen oder mit Störungen der Bewegungskoordination. Auch in der Frühförderung begegnet es Fachkräften, dort im Rahmen der Komplexleistung mit anderen Berufsgruppen.
Bedeutung für die Ausbildung
Der Unterricht ordnet das Konzept den neurophysiologischen und motorisch-funktionellen Behandlungsverfahren sowie der Pädiatrie in der speziellen Krankheitslehre zu. Auszubildende begegnen ihm im fachpraktischen Einsatz in Praxen mit pädiatrischem Schwerpunkt. Die vertiefte Anwendung setzt berufsbegleitende Zertifikatskurse voraus, die nach dem Examen belegt werden.
Für die Prüfung ist die saubere Trennung von Konzept und Heilmittel wichtig: Das Konzept beschreibt eine fachliche Herangehensweise, das Heilmittel bezeichnet die verordnete und abgerechnete Leistung. Ebenso gehört zum Grundwissen, dass eine Behandlung nur auf ärztliche Verordnung erfolgt und die Zusammenarbeit mit Eltern und Einrichtungen Teil der Arbeit ist.